Hörbuch-Rezension: „Ein ganz besonderer Ort“ von Jojo Moyes

Bild Collage: ein leuchtender Pfau läuft auf einer Straße vor einem beleuchteten Ladengeschäft. Im Vordergrund:. Ein Hörbuch Cover mit der Beschriftung "Hörbuch Rezensionen - Ein ganz besonderer Ort"

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Peacock Emporium – auf der Suche nach dem Heimathafen

Worum geht es?

Suzanna Peacock ist zurück in ihrer alten Heimat, aber von „angekommen“ kann keine Rede sein. Ihre Ehe mit Neil wirkt äußerlich stabil, doch innerlich ist da eine Leerstelle – eine Unruhe, die sie nicht loslässt. Die ungelöste Frage nach ihrer Herkunft, die fehlende Nähe zur Familie, das Gefühl, ständig Erwartungen zu erfüllen, die nicht ihre eigenen sind. Als sie das Peacock Emporium gründet, ein liebevoll gestalteter Laden mit integriertem Café, verändert sich etwas. Der Ort wird schnell zu einem Raum für Begegnung – und für Suzanna zu einem kleinen Stück Freiheit. Dort trifft sie auf Jessie, eine Frau voller Energie und Herzlichkeit, die bald mehr ist als nur eine Freundin. Und dann ist da noch Alejandro, geheimnisvoll und wortkarg, der Suzanna auf eine Weise sieht, wie es sonst niemand tut …

Urlaubslektüre mit Anlauf

Der Einstieg ins Hörbuch fiel mir schwer. Die Erzählweise wechselt häufig zwischen Perspektiven und Zeitebenen – das braucht Konzentration, vor allem beim Hören. Aber: Wer dranbleibt, wird belohnt. Denn Ein ganz besonderer Ort ist eine feinfühlige Geschichte über Zugehörigkeit, Freundschaft und den Mut, sich selbst neu zu erfinden.

Suzanna & das Bedürfnis nach einem eigenen Leben

Suzanna steht für dieses „Jetzt tue ich endlich etwas für mich“: Sie beginnt, ihre Vergangenheit zu sortieren, stellt alte Muster infrage und wagt einen neuen Anfang – trotz aller Zweifel. Neben der Liebesgeschichte entfaltet sich eine kleine Familiensaga über Generationen hinweg, durchzogen von den großen Fragen nach Identität, Verantwortung und Selbstverwirklichung.

Figuren, die bleiben

Mein Herz ging an Jessie – sie ist herzlich, spontan, voller Lebensfreude und bringt Suzanna nicht nur aus ihrer Komfortzone, sondern auch näher zu sich selbst. Ihre Offenheit steckt an, auch wenn sie selbst ein dunkles Geheimnis mit sich trägt. Genau diese Mischung aus Wärme und innerer Zerbrechlichkeit macht Jessie für mich zur emotional stärksten Figur des Buches.

Das Peacock Emporium – mehr als ein Laden

Das kleine Café mit Ladengeschäft ist nicht bloß Kulisse, sondern Sinnbild: für Selbstverwirklichung, Gemeinschaft und die Möglichkeit, noch einmal neu zu beginnen. Ein Sehnsuchtsort, wie ihn jede Kleinstadt braucht – und ein Ort, an dem die Figuren (und auch wir als Hörer) innehalten dürfen.

Erzählweise – mein Knackpunkt

Ich habe die Hörbuch-Version gehört, oft mit Sleep-Timer. Mehr als einmal bin ich am Morgen in einem anderen Handlungsstrang aufgewacht. Die häufigen Perspektiv- und Zeitenwechsel liegen mir persönlich nicht so – kaum bin ich drin, werde ich weitergeschoben. Wer diese Art von literarischer Montage mag, wird viel Freude daran haben. Ich hingegen brauchte Geduld – aber sie hat sich ausgezahlt.

Themen & Relevanz

Trotz ihres Erscheinungsjahrs (ursprünglich 2005) wirkt die Geschichte in vielen Aspekten zeitlos. Sie berührt Tabuthemen, zeigt familiäre und gesellschaftliche Erwartungen – und hält der Suche nach Selbstverwirklichung liebevoll den Raum. Es ist keine leichte, „fluffige“ Liebesgeschichte, sondern eine ernsthafte Reise zu sich selbst.

Für wen ist die Lektüre?

Für alle, die Kleinstadt-Atmosphäre, Freundschaftsanker und das Motiv „Neuanfang trotz Gepäck“ mögen – und mit einer verschachtelten Erzählstruktur gut klarkommen.

Zum Hörbuch

Luise Helm überzeugt mit einer ruhigen, warmen Stimme. Emotionale Szenen gelingen ihr besonders gut. Bei den häufigen Strangwechseln hätte ich mir allerdings klarere akustische Markierungen gewünscht. Mit 1,2-facher Geschwindigkeit klang das Pacing für mich stimmiger. Insgesamt lohnt sich aufmerksames Hören – nebenbei funktioniert es weniger gut.

Mein Fazit

★★★½ / 5 – nicht mein liebster Moyes-Roman, aber einer, der nachwirkt. Wegen der Figuren, wegen des besonderen Ortes – und wegen der Botschaft, dass es nie zu spät ist, sein Leben neu zu denken.


Klappentext

Agon Hörbuch-Cover "Ein ganz besonderer Ort" von Jojo Moyes - mit einer Grafik einer jungen Frau in Dunkelblau

„Eine Frau, die nach ihren Wurzeln sucht. Ein Café, das zu einem Zuhause wird. Eine Liebe gegen jede Wahrscheinlichkeit.“

Warum fällt es uns manchmal so verdammt schwer, glücklich zu sein? Das fragt sich Suzanna Peacock oft. Eigentlich ist alles gut: Gerade ist sie zurück in ihr Heimatstädtchen gezogen, in die Nähe ihrer Familie. Ihr Mann Neil wünscht sich sehnlich Kinder und eine gemeinsame Zukunft. Doch etwas scheint immer zu fehlen in Suzannas Leben. Da ist zum einen ihre leibliche Mutter, die sie nie kennengelernt hat. Und zum anderen die nagende Frage, ob sie Neil wirklich liebt. Suzanna fühlt sich nirgends richtig zu Hause, bis sie das Peacock Emporium gründet. Das Café und Ladengeschäft wird schnell zu einem ganz besonderen Ort, nicht nur für Suzanna. Hier findet sie zum ersten Mal in ihrem Leben echte Freunde und ein Gefühl von Zugehörigkeit. Auch zu dem gut aussehenden, rätselhaften Alejandro …

Hörbuch-Informationen

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